cybercash

James Howells ist aus Wales und theoretisch Millionär. Seit einigen Jahren trifft man ihn vor allem in der Nähe der Mülldeponie von Newport. Dort hat er 2013 nämlich eine Festplatte entsorgt – mit 7500 Bitcoins. Heute sind diese Bitcoins gut und gerne 83 Millionen Euro wert. Verständlich, dass Howells seither versucht seinen verlorenen Schatz zu finden. Obwohl die Suche bisher erfolglos war, hat sie Howells in den Medien traurigen Ruhm beschert. Eine von vielen seltsamen Geschichten die man seit einiger Zeit überall über die neuen digitalen Währungen erzählt. Denn Bitcoin ist neben Ethereum, Litecoin oder Ripple nur eine von vielen „Crypto Currencies“, für die sich plötzlich scheinbar jeder interessiert (oder interessieren soll). Aber warum?

Blockchain.

Alles begann mit der Blockchain. Genauer gesagt, mit Satoshi Nakamoto. Unter diesem Namen wurde im November 2009 ein wissenschaftliches Paper veröffentlicht, das sogleich hohe Wellen schlug – und bis heute schlägt. Das Paper stellt nämlich die sogenannte „Blockchain“ vor – einen digitalen Code, mit dem sich ein bestimmter „Wert“ beschreiben lässt. Dieser Wert wird allerdings nicht – wie beim normalen „Papiergeld“ von einer zentralen Institution (Bank, Regierung und Ähnliches) festgelegt und kontrolliert, sondern hängt von der Menge der verfügbaren Einheiten ab. Beim Bitcoin liegt die verfügbare Menge bei etwa 21 Millionen Bitcoins. Genau so viele einzigartige Codes kann die Blockchain für die Cryptocurrency Bitcoin nämlich generieren, danach ist Schluss. Das macht die digitalen Währungen zu einem unabhängigen „Geldsystem“, das sicher, anonym und ohne Transaktionskosten funktioniert.

  • Three of the most common crypto currencies: Bitcoin, Ethereum and Ripple.
    Three of the most common crypto currencies: Bitcoin, Ethereum and Ripple.

Mining.

Und wie kommt man nun an die Bitcoins? Indem man sie sich ausrechnet! Das klingt erstmal einfacher als es ist, denn die Blockchain ist so etwas wie ein hochkomplexes mathematisches Problem. Beim Bitcoin hat dieses Problem sozusagen 21 Millionen mögliche Lösungen. Jede dieser Lösungen ist einzigartig und muss mithilfe eines speziellen Rechenprogrammes „erraten“ werden. Wer eine Lösung knackt, bekommt als Belohnung den errechneten Bitcoin. Für diesen Vorgang des „Minings“ (Schürfen, Bergbau) genügt theoretisch zwar auch ein Laptop, tatsächlich braucht man aber einiges an Rechenpower um die Blockchain zu knacken. Etwa alle zehn Minuten wird ein solcher Code geknackt und damit ein neuer Bitcoin gefunden. Mit jedem errechneten Bitcoin wird es allerdings auch schwieriger einen der verbleibenden Codes zu finden. Daher werden spezialisierte „Mining Rigs“ zu riesigen Netzwerken verknüpft, die sich einzig und allein dem Bitcoin-Bergbau widmen.

Das Trading.

Wer sich nun aber keinen eigenen Stollen in den Bitcoin-Berg graben möchte, dem bietet sich noch eine andere Möglichkeit beim digitalen Goldrausch mitzufiebern: Trading, der Handel mit bestehenden, bereits geschürften Bitcoins. Diese können mithilfe digitaler Geldbörsen, sogenannter „Wallets“ gespeichert und gehandelt werden. Das ist allerdings eine ziemlich heikle Angelegenheit, denn ob der eingangs erwähnten dezentralisierten Wertschöpfung ist es nahezu unmöglich den Kurs des elektronischen Geldes zu beeinflussen oder gar vorauszuahnen. Diese Unberechenbarkeit macht die digitalen Währungen zum riskanten Glücksspiel mit unvorhersehbaren Richtungswechseln in Höchstgeschwindigkeit: Innerhalb kürzester Zeit können Kurse in schwindelerregende Höhen schnellen oder in bodenlose Abgründe stürzen. Handelt man schnell lässt sich so mitunter recht einfach viel Geld machen – aber eben auch verlieren. Wie beliebt dieser riskante Handel mittlerweile ist verrät der Appstore: Seit letztem Jahr führt „Coinbase“ die Liste der meisten Downloads an – ein App zum Handel mit e-Currencies.

  • A specialised mining rig for crypto currency mining.
    A specialised mining rig for crypto currency mining.

Kehrseite.

Aus welcher Richtung man das Licht auf das Thema Bitcoin wirft: Es sieht jedes Mal anders aus. Experten sind sich uneinig, sicherheitshalber warnt man vor dem Umgang – in China wurden Crypto Currencies kürzlich sogar verboten. Nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Gefahren unberechenbarer Wertschöpfung, sondern auch weil Bitcoin ein anonymes Zahlungsmittel ist, das selbst in den dunkelsten Ecken des Internets (bzw. Darknets) akzeptiert wird. Ein Dorn im Auge jedes Kontrollorgans – und so ja auch eigentlich wieder der ursprüngliche Gedanke hinter der Blockchain: Ein unabhängiges und unkontrollierbares Wertsystem zu schaffen. Das ist auch gelungen, so scheint es jedenfalls. Wo die Vorteile auch die Nachteile sind muss sich allerdings wohl jeder seine eigene Meinung bilden.

Fazit.

Hätte man 2010 ein paar Bitcoins gekauft, wäre man heute reich. Damals kostete ein Bitcoin nur 0.05 US-Dollar. Heute ist der gleiche Bitcoin 8.000 US-Dollar wert. Und der Kurs steigt immer noch: Erst 2140 soll der allerletzte Bitcoin geschürft sein, hat man errechnet. Ob man nun Bitcoins schürft, handelt oder sein Geld in entsprechend spezialisierte Crypto-Firmen investiert – die Geschichte der Blockchain hat wohl gerade erst begonnen. Wer also etwas Geld auf der Seite hat, kann sich natürlich ein paar Bitcoins kaufen, sie auf einer Festplatte speichern, abwarten und Tee trinken. „The long game„, das Spiel auf lange Zeit, nennt man das im Fachenglisch. Das weiß man natürlich auch im englischen Newport, wo James Howells wohl immer noch nach seinem Schatz gräbt.