Wasser des Lebens

Man ist den Kelten wohl einiges an Dank verpflichtet. Denn sie brachten die Kunst der Destillation von den alten Römern nach Schottland. In großen Kupferkesseln wurde dort mit Kreativität und Begeisterung dann so ziemlich alles gebrannt was man als „Maische“ (Getreideschrotbrei) vergären konnte. Als lateinisch „aqua vitae“ – Wasser des Lebens, genoss das Hochprozentige schon im römischen Weltreich großes Ansehen. In Schottland nannten die Kelten das Lebenswasser auf Gälisch: „uisce beatha“ – kurz „uisce“. Und später: „Whisky“. Nach mindestens vier Jahren Lagerzeit im Holzfass wurde der erste Scotch geboren. Und erfreut sich, hellgolden, aromatisch und einzigartig sofort wachsender Beliebtheit. Noch bis heute darf sich ausschließlich schottischer Whisky „Scotch“ nennen – ein schottisches Qualitätssiegel. Das „e“ im Whiskey ist wiederum eine Idee der Iren: sie wollten ihren Whiskey ganz einfach vom schottischen unterscheiden können. Was man heute Whisky oder Whiskey nennen darf entscheidet daher die Rezeptur und Herstellungsweise. Denn guter Whisky ist etwas ganz besonderes. Das wusste auch schon Humphrey Bogart und befand kurzum: „Man sollte dem Leben immer um mindestens einen Whisky voraus sein.“ Und damit ist ja auch schon alles gesagt.

Wenn Daniel Whittington die Geschichte des Whisky erzählt, dann glaubt man sie ihm. Nicht nur weil er mit seinen irischen Wurzeln und dem verwegenen Bart ein bisschen aussieht wie ein Pirat, sondern weil er an einer schweren Kette eine dicke Goldmedaille um den Hals trägt: Daniel Whittington ist professioneller Whiskey-Sommelier und Vice President der „Whisk(e)y Marketing School“. Da kann man dem Mann schon ruhigen Gewissens glauben. Vor allem wenn er den „Vault“ öffnet – einen begehbaren Tresor hinter einem unscheinbaren Bücherregal. Im Inneren: Über 650 Flaschen Whisk(e)y die Daniel Whittington’s Ausführungen den Rücken stärken.

AUGE.

Geschmack liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. So verhält es sich auch beim Whisky. Ob aus Mais (Bourbon), Gerste (Malt), Roggen (Rye), und manchmal sogar mit Weizen (Grain) gebrannt: Unterschiedliche Rohstoffe haben ganz unterschiedliche Geschmacksqualitäten. Aber erst durch die Lagerung im Eichenfass (es werden auch alte Brandy, Sherry und Cognac Fässer verwendet) erhält der Whiskey seinen einzigartigen Geschmack und charakteristische Farbe. Ein „Blend“ kombiniert beispielsweise unterschiedliche Fasstypen und Lagerzeiten zu besonderen Geschmacksprofilen. Die Lagerzeitangabe auf der Flasche muss dabei dem jüngsten verwendeten Fass im Blend entsprechen. „Einfach ein bisschen durchprobieren.“, empfiehlt da schmunzelnd auch der Sommelier. Besonders schön für den Whisky-Anfänger: Der Compass Box Hedonism Quindecimus Whisky: Limitiert auf 6.000 Flaschen verkörpert dieser Blended Scotch eine opulente Symphonie aus Honig und warmen Holznoten in einem blumigen Bukett. Was wie die Beschreibung eines romantischen Gemäldes klingt zaubert dem jungfräulichen Whisky-Trinker ein erstes Lächeln ins Gesicht.

  • Jura Whiskey
    Jura - ein vielfältiger Whiskey von der gleichnamigen Insel in Schottland

NASE.

Wer Whiskey richtig „erleben“ möchte, trinkt ihn aus einem Whiskeyglas. So hat auch die Nase etwas davon,  denn die Aromen und ätherischen Öle können sich so bestmöglich entfalten. Und durch die Nase öffnen sich die Welten des Whiskey auf ganz besondere Art: Vanille und Butterkekse. Zimt und Apfelkuchen. Torf und Leder. Salz und Rauch. Vielfältig und verschieden. Die jahrhundertealten Braurezepte und traditionellen Herstellungsmethoden sind dafür ausschlaggebend. Da kann es schonmal vorkommen dass die neuen Kupferkessel von den Brennmeistern mit Hammern bearbeitet wurden um den alten Kesseln auf Beule und Delle zu gleichen. Der einzigartige Charakter eines Whisky kommt nicht von ungefähr! Besonders berühmt sind die Whisky Kreationen der kleinen sturmgepeitschten Inseln Schottlands. Nachzuschmecken zum Beispiel im Isle of Jura „One And All“: einer besonderen Single Malt Limited Edition in zartem Bernstein. Und eine aufregende Symphonie aus schwarzen Kirschen weißer Schokolade und einer Idee von Ahornsirup im Sherry Cask Finish.

MUND.

„Show me the way to the next whisky bar“, sangen schon The Doors. Wer in einer guten Whisky Bar einkehrt bekommt dort ein Glas stilles Wasser samt Strohhalm serviert. Richtig gehört. Denn Whisky und Wasser eröffnen zusammen eine ganz neue Geschmackswelt! Einige wenige Tropfen Wasser aus dem Strohhalm können einem guten Whiskey helfen sein volles Potential zu entfalten. Eine Frage des guten Geschmacks! Denn, – wie schon der große Mark Twain festzustellen wusste: „Zu viel von allem ist schlecht, aber zu viel guter Whiskey ist wahrlich nicht genug!“ Abenteurern sei der Laphroaig Islay Single Malt 25yrs ans Herz gelegt: Schmeckt aufregend nach rauer See, Salz und Schottenrock.

schottland Landschaft

LEBENSFREUDE.

Wenn man den Whisk(e)y-Sommelier Daniel Whittington nach dem besten Whisky fragt und wie man eben diesen richtig trinkt, dann lacht er: „Es gibt nur eine Regel: Der beste Whisky ist der, den du gerne trinkst. Und die richtige Art deinen Whisky zu trinken ist so, wie du ihn am liebsten trinkst. Und jeder der etwas anderes behauptet ist ein Angeber.“ Eigentlich ist das mit dem Whisky ganz einfach. Ob on the rocks, mit ein paar Tropfen Wasser oder neat: Whiskey ist Lebensfreude. Und die teilt man bekanntlich gern.

Wohl gerade deswegen lässt sich die keltische Whisky Kunst heute auch international entdecken! Zum Beispiel im österreichischen Eichenfass: Pfanner Single Barrel Scotch No.19. Ein auf 500 Flaschen limitierter Alpen-Whisky nach schottischer Tradition, der seinen keltischen Vorfahren alle Ehre macht.