Der Mann und das Meer.

„Ich will, dass du mein Skipper wirst“, sagt der Amerikaner zu dem kubanischen Fischer, „mein erster Befehl ist, dass du einen Whiskey mit mir trinkst, und der zweite, dass wir sofort im Golf fischen.“ Der Amerikaner war Ernest Hemingway, der Fischer Gregorio Fuentes. Für 250 Dollar im Monat und freiem Gin und Whisky wird Fuentes der Bootsmann der „Pilar“, der zwölf Meter langen Yacht Hemingways. Auf dieser wird Hemingway in den nächsten Jahrzehnten schreiben, trinken, fischen und berühmten Freunde wie Errol Flynn, Ava Gardner, Spencer Tracy und Ingrid Bergman das Meer zeigen. Die Faszination „Yacht“ macht vor keinem Mann Halt, es ist wohl wie bei Hemingways Kurzroman „Der alte Mann und das Meer“: Es geht um das Kräftemessen zwischen Mensch und Natur, um die Ehrfurcht vor dem Leben bzw. vor den endlosen Weiten des Meeres.
Alte Lieben, neue Welten.

Alte Lieben, neue Welten.

Man stelle sich vor: Der Bug der Yacht hebt und senkt sich im Wellengang, es riecht frisch, salzig, anders als alles, was man sonst so riecht. Die Welt fühlt sich groß, wunderbar und geheimnisvoll an. Dann das Geräusch der Wellen: Es scheint endlos, am Horizont in den Himmel übergehend, rollend, lockend, abweisend, sanft und gefährlich zugleich. Schon seit Urzeiten versucht der Mann sich das Meer untertan zu machen, neue Welten zu entdecken, Meeresrouten zu erschließen. Für Seefahrer bei den alten Griechen und Römer waren deren Schiffe fast göttliche Wesen, denen sie Augen aufmalten, damit sie den Weg fanden. Schon Odysseus machte kein Hehl daraus, dass „einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen … nicht mein Ding war … was ich dagegen liebte waren Ruderboote, Krieg und Gewalt“. In diesem Sinn zog es in der Antike viele junge Griechen und später Römer auf See. Dort kamen sie zu Ansehen und einem Vermögen. So ging es auch den Wikingern: Deren wichtigstes Transportmittel und auch Waffe waren ihre Schiffe. Abgesehen davon, dass sie es waren, die im 8. Jahrhundert nach Christus Amerika entdeckten, ließen sie sich auch zusammen mit ihren Schiffen begraben oder verbrennen. Um auch noch in Walhalla den Genüssen eines Segeltörns frönen zu können. Der Portugiese Vasco da Gama umsegelte im 15. Jahrhundert die Südspitze Afrikas und erschloss den Seeweg nach Indien, Christoph Kolumbus entdeckte Amerika – nun ganz offiziell. Es entstanden Legenden, Ruhm und Namen, welche die Welt nie vergessen wird. Die Faszination Meer und die ureigene Definition von Freiheit spornt Männer seit jeher an, über sich hinauszuwachsen. Männer bezwingen nicht erst seit Odysseus die Meere, fahren über die Ozeane, um Kontinente zu entdecken und zu erobern oder Handel zu treiben, sie sind auf Abenteuer aus, nicht das Meer ist ihr Ziel, sondern das, was an dessen Ende liegt.

  • Christof Kolumbus
    Der Weg ist das Ziel? Mitnichten, für Christof Kolumbus galt es hinter den Horizont zu segeln.

Abenteuer.

Die Segelyacht, die Explorer-Yacht, die Megayacht, die Motoryacht: Die Wege zum Abenteuer auf See haben sich gewandelt, der Entdeckungsdrang und die Lust am Abenteuer sind ungebrochen. War früher noch die Akzeptanz von Nöten, auf Komfort zu verzichten um sich unmittelbar mit den Elementen des Meeres auseinanderzusetzten, schaut es heute schon ganz anders aus. Freiheit bedeutete für Jahrhunderte etwas zu tun, das sich andere nicht wagen würden (oder sich nicht leisten konnten): Stürme, Wellen und ungenaue Positionen genauso eingeschlossen wie Kälte, Verzicht oder Nässe. Moderne Explorer-Yachten und Hightech-Rennyachten ebnen den Weg fast wortwörtlich in das Abenteuer. Die größte Segelyacht der Welt, die Sailing Yacht A ist ein Boot der Superlative: knapp 143 Meter lang und fast 25 Meter breit der Rumpf, darüber mehr als 3700 Quadratmeter Segelfläche, was etwa der Hälfte eines Fußballplatzes entspricht. Entworfen wurde diese Yacht von Designer Phillip Starck. Abgesehen davon, dass man mit dieser Yacht bis in die eisigen Höhen der Polarkreise vordringen könnte, verzichtet man dabei weder auf eine Badewanne noch auf ein Heimkino. Auch die Yacht von Paul Allen, die Octupus, ist kein reines Lifestyle-Produkt: Der Milliardär nutzt seine Yacht samt U-Boot auch zur Tiefseeforschung und entdeckte dabei vor ein paar Jahren das japanische Superschlachtschiff Musashi, das im Zeiten Welt krieg versenkt worden war. Man muss aber kein Yachtbesitzer sein, um diese Abenteuer zu erleben: Neben der deutschen Reederei Hapag-Lloyd Cruises mit Sitz in Hamburg und ihren beiden Expeditionsschiffen „Bremen“ und „Hanseatic“ zählen die Reederei Hurtigruten sowie das US-amerikanische Unternehmen Quark Expeditions in Seattle und Oceanwide Expeditions aus Holland zu den wichtigsten Anbietern von Expeditionsreisen. Inklusive Fünf-Sterne Komfort: Wer in der Badewanne seiner Kabine liegt, kann auf dem Meer treibende Eisberge erblicken. Oder aber sich auf Landgänge auf fast unbekannten tropischen Inseln freuen. Und dieses Gefühl von Freiheit und Abenteuer schmecken – denn das ist der urmenschliche Antrieb, der die auf die Weltmeere lockt. Der lässt sich auch in der Größe und der Ausstattung einer Yacht nicht messen – ob Besitz oder Charter – es ist die innere Einstellung, die den Unterschied machen.