Die Lederjacke: Ein Lebensbegegleiter

Spätestens seit Patrick Swayzes Lederjacke, die er in Dirty Dancing trug, vor ein paar Monaten für 62.000 Dollar versteigert wurde, ist gewiss: Die Lederjacke hat einen Platz im Modeolymp. Lederjacken schauen zwar nicht nur in Filmen richtig gut aus, der Kultstatus der Lederjacke ist jedoch den Typen geschuldet, die sie in ihren Filmen und auf der Bühne trugen. War sie in den 1940ern noch in Pilotenmanier in Form der Bomberjacke gehalten und meist aus braunem Leder, wie sie Stars wie Gary Cooper in „Wem die Stunde schlägt“ trugen, wurde sie in den 50er Jahren zum Symbol der Jugend, der Motorradfahrer und Rock’n’Roller. Besonders populär machte die Lederjacke der Film „Der Wilde“ mit Marlon Brando. Das Rockerepos war nicht nur der Durchbruch für den jungen Mimen, sondern auch ein Meilenstein der Jugendkultur. Brando verkörpert darin den obercoolen Johnny, den Anführer der Rockerbande „Black Rebels Motorcycle Club“. Typische Bekleidung waren eine schwarze Lederjacke, eine Schlägerkappe und eine Zigarette im Mundwinkel. Brando fuhr im Film eine Triumph Thunderbird 6T, was den britischen Hersteller darauf brachte, eine Brando-Kollektion aufzulegen. Und so gibt es fortan eine Lederjacke im Vintage-Look mit allen Insignien aus dem Film (Rockerclub-Emblem, „Johnny“-Unterschrift). Anders als beim Original sind in die neue Brando-Jacke spezielle Protektoren für Motorradfahrer eingenäht und an den entscheidenden Stellen sind die Lederteile mit doppelten Sicherheitsnähten miteinander verbunden. Zu wild darf es heute auf den Motorrädern nicht mehr sein, optisch jedoch möchte man auf den Sexappeal bei Triumph nicht verzichten.

Die wilden 70iger, die glitzernden 80iger und melancholischen 90iger.

In den siebziger Jahren entdeckte die Punkbewegung die Lederjacke als ihr Kleidungsstück, voran getrieben von Bands wie den „Sex Pistols“ oder „The Ramones“. Auch wenn die meisten ersten Punk-Rock-Bands aus New York kamen – zu einer echten Bewegung wurde der Punk in London. In New York eher eine Kunstform, verband sich der Punk Rock in Großbritannien mit dem tiefen, fast anarchischen Groll, den viele Jugendliche gegenüber sämtlichen Institutionen empfanden und wurde so zu einer breiten subkulturellen Strömung – bedingt durch die damalige Wirtschaftskrise und das steife englische Klassensystem. Wichtiges Merkmal – die Lederjacken der Punks wurden „individualisiert“: Mit Bildern, Sprüchen und Logos bemalt, mit Sicherheitsnadeln, Ketten, Bolzen oder Nieten bestückt und demoliert und mit Rissen überzogen.

In den achtziger und neunziger Jahren sorgten Filme und die ersten Musikvideos dafür, dass die Lederjacke im Gespräch blieb: „Top Gun“, „Dirty Dancing“ oder Michael Jackson im berühmten Musikvideo „Thriller“. Tom Cruise machte die Fliegerjacke aus Leder und die Pilotenbrille von Ray Ban zu einem regelrechten Modehype, der in verschiedensten Interpretationen bis heute andauert. Umso besser, dass sich die Gerüchte über eine Top Gun – Fortsetzung verdichten. In den 1990igern dominierte die Lederjacke als Symbol des melancholischen Grunge und des Britpops. In beiden Musikrichtungen durfte man bewusst schlabbrig auftreten. Understatement im Look zeigten Bands wie Oasis, The Verve oder Pulp: Dünne Beine steckten in engen Röhrenjeans, die Modefrisuren waren herausgewachsen und Lederjacken abgetragen.

Und heute? Von jeder Epoche das Beste.

David Beckham trägt sie, Brad Pitt trägt sie und seit Leonardo DiCaprio sie in „Aviator“ trug, ist sie ganz besonders begehrt: Die Lederjacke der britischen Traditionsmarke Belstaff. Vom Schnitt her waren sie in den 1920iger Jahren an Militärjacken angelehnt, halblang, in der Taille gegürtet und mit vier aufgesetzten Taschen bestückt. „Belstaff“ wurde in den folgenden Jahrzehnten zum Spezialisten in der Kategorie „Schutzbekleidung für den Freizeitbereich“. Beliebt bei Motorradfahrern, weil die Jacke mit abgesteppten Polstern an Schulter und Ellenbogen vor Verletzungen schützt. Schon früh erkannten große Namen die Qualität der Jacke. Lawrence von Arabien trug sie und Ernesto „Che“ Guevara, als er mit dem Motorrad in politischer Mission durch Lateinamerika fuhr. Allerdings ohne modisches Aufsehen zu erregen. Heute gibt es die Lederjacken von Belstaff in allen Farben und Varianten und als Reminiszenz an jede Stilrichtung der letzten Jahrzehnte. Denn irgendwie ist in der Mode seit den Nullerjahren alles erlaubt und nichts neu erfunden. Die Lederjacke jedoch hat sich dieses eine Gefühl erhalten, dass wohl schon Marlon Brando auf seiner Triumph verspürt haben muss: Die Lust und der Reiz am ewigen Abenteuer.