Der Dandy. Zurück in die Zukunft.

Das Dandytum wird ebenso oft für tot, wie zum neuen Trend erklärt. Aber es gibt sie tatsächlich und in nicht unbedeutender Zahl: Männer, für die Form mindestens ebenso bedeutsam ist wie Inhalt – und die gerne dazu stehen. Soweit so gut. Der schottische Essayist Thomas Carlyle schrieb schon 1834: „Der Dandy ist ein Mann, dessen Status, Arbeit und Existenz im Tragen von Kleidung besteht. Er widmet jedes Vermögen seiner Seele, seines Geistes, seiner Geldbörse und seiner Person heldenhaft der Kunst, seine Kleidung gut zu tragen: Während die anderen sich kleiden um zu leben, lebt er, um sich zu kleiden.“  Im Blick hatte er dabei wohl auch den Prototyp des Dandys, Beau Brummell (1778 bis 1840). Der beschäftigte angeblich drei Friseure für seine verschiedenen Kopfpartien, polierte seine Stiefel ausschließlich mit Champagner und starb, wen wundert es, völlig verarmt. So ranken sich die Legenden um die Eigenarten eines Dandys, die den Herren wie das Salz in der Suppe sind.

  • Oscar Wilde
    Der "Ur-Dandy" Oscar Wilde: Das erste richtige "Style"-Vorbild der Dandys.

Die Verehrung der Dandy von heute und von gestern gilt nach wie vor den Verkündern und Begründern des Dandytums: Oscar Wilde (1854 bis 1900) oder Charles Baudelaire (1821 bis 1867). Letzterer schrieb in seinen Tagebüchern: „Der Dandy muss sein ganzes Streben darauf richten, ohne Unterlass erhaben zu sein, er muss leben und schlafen vor einem Spiegel.“ Das mag sicherlich nicht jedermanns Geschmack sein, und sicher würden etliche der in Tweed und feinen Tuchen schwelgenden Gentlemen oder der Jeans-zerrissenen Hipster darüber rümpfen. Dennoch eint die modebewussten Herren jeder Stilrichtung mitunter eine gemeinsame Attitüde, die man gut und gerne so zusammenfassen kann: „Gut aussehen ist langweilig. Wenn man einen perfekt sitzenden schwarzen Anzug trägt, sieht man gut aus. Ein Dandy ist man dann aber noch lange nicht. Dandys sind eher Künstler, die ihren Körper wie eine Leinwand betrachten, die man jeden Tag neu bemalen kann – gerne auch etwas abstrakter.“ Der Dandy trägt gerne bunte Hemden und Socken, eine passende Fliege und polierte Halbschuhe, eventuell auch farblich abgestimmte Hosenträger. Es ist die Liebe zum Detail, die einem Dandy wichtig ist: Die Knöpfe glänzen metallisch, die Nähte sind aus farbigem Garn, die Lackschuhe poliert, die Zwirne bei Jacken und Mänteln hochgedreht. Inwieweit sich das mit Alltag und Berufsleben vereinen lässt, ist wieder eine andere Sache, die wohl jeder Dandy-Anwärter für sich selbst ausmachen muss. Aber auch hier kann man wieder zitieren: „Dem Mutigen gehört die Welt, frisch gewagt ist halb gewonnen.“